Neues Haus für Stammzellen
Seit dem Jahr 2002 forscht die Eccocell Biotechnologie an Anwendungsmöglichkeiten der ethisch unbedenklichen und klinisch bereits sehr erfolgreichen Stammzellen aus der Nabelschnur. Seither bietet die Unternehmensgruppe auch die Möglichkeit der Konservierung von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut und dem Knochenmark. Der zunehmende Trend zur Eigen- und Familienvorsorge von Stammzellen veranlasste die Eccocell Biotechnologie nun die bisherigen Labor- und Lagerflächen im Sanatorium Hansa durch einen neuen Standort in Graz- Andritz in der Statteggerstrasse zu erweitern. 20 Mitarbeiter werden sich dort neuen Aufgaben auf dem Gebiet der regenerativen Medizin widmen und an Strategien arbeiten, damit künftig möglichst viele Menschen von der jugendlichen Regenerationskraft der Stammzellen aus dem Nabelschnurblut profitieren können. Zwei von der EU- geförderte Forschungsprojekte sowie industrielle Forschungsaufträge vernetzen im neuen Standort auch die Ideen von mehr als 15 europaweit verteilten Forschungszentren.
Im Gegensatz zu den viel zitierten embryonalen Stammzellen, sind Stammzellen aus der Nabelschnur bereits klinische Realität. Mehr als 10.000 Menschen wurden schon erfolgreich behandelt. Embryonale Stammzellen hingegen haben ihren Weg in die Klinik noch nicht gefunden. Einerseits, weil die Forschung an Ihnen als ethisch bedenklich eingestuft wird und andererseits, weil initiale klinische Anwendungen schwere Nebenwirkungen an Patienten hervorgerufen haben, wie z.B. die Entwicklung von Tumoren. Zusätzlich ist auch die Gewinnung problematisch, da zur Generierung von embryonalen Stammzellen zunächst Eizellen aus den Eierstöcken von Frauen mittels chirurgischen Eingriff gewonnen werden müssen.
Stammzellen aus dem Nabelschnurblut hingegen sind schmerz- und gefahrenfrei zu gewinnen. Sie werden heute entweder in Fremdspenderbanken oder in privaten Banken für die Eigenvorsorge gesammelt. Für viele Krebs- und Leukämieerkrankungen sind Stammzellen aus Fremdspenderbanken lebensrettend. Noch sind weltweit aber nicht genügend Zellen aus der Nabelschnur gelagert, um den Bedarf zu decken und ausreichend passende Gewebetypen zu finden. Für die Regenerative Medizin- und vor allem für die prophylaktische Anwendung zur Vermeidung von Erkrankungen wie z.B. Herzinfarkt- kommen derzeit allerdings ausschließlich körpereigene Stammzellen in Frage, da die Gefahren einer Fremdspendertransplantation für diese Art der Erkrankungen nicht zu akzeptieren sind.
Das Interesse an Nabelschnurblutbanking ist weltweit explosionsartig gestiegen seitdem bekannt ist, dass Nabelschnurblutstammzellen tatsächlich pluripotent sind: sich also in eine Vielzahl von Geweben umwandeln lassen. Jahrelange Forschungen vieler Wissenschaftler ließen aus dem Nabelschnurblut verschiedene unreife Zellen gewinnen, die sich in Herz-, Nerven-, Knochen- oder Leberzellen umwandeln ließen. In Abbildung 1 ist das Ergebnis eigener Eccocell- Forschungen abgebildet, wobei sich hier die Integration von Nabelschnurblutstammzellen in Herzmuskelgewebe abbilden lässt. Ein Vorgang, der experimentell zu wesentlicher Stärkung der Herzkraft geführt hat. Abgesehen von ihrer Vielfältigkeit sind Stammzellen aus der Nabelschnurblut aufgrund ihres "(jugendlichen)Alters" ideal für Therapien: sie sind primitiv genug, um sich in viele Zelltypen umzuwandeln, trotzdem aber reif genug, um innerhalb der Erfordernisse des menschlichen Körpers ohne Nebenwirkungen zu arbeiten.
Neue Anwendungsperspektive für Nabelschnurblut
Kürzlich konnte man in einem international anerkannten medizinischen Journal sogar lesen, dass Kinder, die ihr eigenes Nabelschnurblut zur Verfügung haben, künftig auch vorsorglich gegen Gefäßverkalkung und Gefäßverschlüsse behandelt werden könnten. Die Injektion von eigenen Nabelschnurblutstammzellen habe das Potential, das Fortschreiten einer Gefäßerkrankung anzuhalten und damit Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu vermeiden. Belegt wird diese Annahme durch experimentelle Studien und Beobachtungen beim Menschen. Angesichts dieser Tatsache empfiehlt eine amerikanische Ethikkommission, die Behauptungen jener Blutspezialisten zu revidieren, die bislang der Meinung waren, dass im besten Fall nur eines von 1000 Kindern von der körpereigenen Nabelschnurblutvorsorge profitieren würde. Vor allem dann, wenn man berücksichtigt, dass Gefäßverschlusskrankheiten, von denen eigentlich fast jeder Mensch betroffen ist, mit körpereigenem Nabelschnurblut behandelt werden könnten, wäre diese Kalkulation nicht mehr richtig. Das Ethik- und Expertenkomitee um Professor Sugarman von der Johns Hopkins Universität diskutiert aber auch sehr anschaulich die neue ethische Problematik, die mit dieser Erkenntnis aufkommt: Man hat nun eine Therapie mit Stammzellen in der Hand, die aber nie für alle Menschen zugänglich sein wird. Und zwar deshalb nicht, weil die vorbeugende Behandlung einer Erkrankung mit fremden Stammzellen aus der Nabelschnur nicht möglich ist. Bei der Anwendung von fremden Stammzellen müsste zunächst das eigene Immunsystem zerstört werden. Ein lebensgefährliches Risiko, das man für die prophylaktische Behandlung einer Erkrankung sicherlich nicht in Kauf nehmen würde. Zudem ist die Anwendung von fremden Stammzellen - auch bei optimaler Gewebeübereinstimmung - sehr häufig und unberechenbar mit Organe schädigenden Abstoßungsreaktionen verbunden.
Stammzellen aus der Nabelschnur sind ein naturreines Produkt mit regenerativem Potential, von dem möglichst viele Menschen profitieren sollten. Daher wird das neue Haus der Eccocell- Gruppe in Andritz unter der Geschäftsführung von Univ. Prof. Dr. Herbert Zech und Univ. Doz. Dr. Karl-Heinz Preisegger sowie der Finanzprokura von Norbert Feurstein auch Platz für Initiativen ermöglichen, die das Pool der Stammzelldepots erweitern sollen und die Verträglichkeit von Stammzellen aus Fremdspenderbanken verbessern.
Presse / Medien
Hier finden Sie die aktuellste Presseaussendung, weitere Berichte befinden sich unter "Presseaussendungen".
http://oesterreich.orf.at/vorarlberg/stories/183856/
Erster Bericht über eine körpereigene Nabelschnurbluttransplantation zur Behandlung eines Kindes mit Leukämie
Ammar Hayani, MDa, Eberhard Lampeter, MDb,c, David Viswanatha, MDd, David Morgan, MDe and Sharad N. Salvi, MDa
Wir berichten über die Behandlung eines 3 - jährigen Mädchens mit akuter lymphoblastischer Leukämie. Noch während der andauernden Chemotherapie breitete sich 10 Monate nach initialer Diagnose die Leukämie in das Zentralnervensystem aus. Mittels weiterer systemischer und intrathekal (Flüssigkeitsraum um das Rückenmark, Anm. d. Übersetzers) verabreichter Chemotherapie konnte eine zweite Remission (vorübergehende Beschwerdefreiheit) erreicht werden. Danach erhielt sie (um ein Wiederaufflammen der Leukämiezellen zu behindern, Anm. des Übersetzers) eine myeloablative Chemotherapie (Hochdosischemotherapie, die restliche Leukämiezellen zerstören soll, wobei es gleichzeitig als schwerwiegende Nebenwirkung zu einer Zerstörung des Knochenmarkes und damit des Immun- und Blutsystems kommt). Im Anschluss erhielt das Mädchen ihr eigenes Nabelschnurblut, das die Eltern unmittelbar nach der Geburt aufheben ließen (um ihr zerstörtes Immun- und Blutsystem wieder zu regenerieren, Anm. des Übersetzers). Nun geht es ihr gut und sie hat seit der Nabelschnurbluttransplantation vor über 20 Monaten keinen Rückfall erlitten. In diesem ersten Bericht über eine autologe (körpereigene) Nabelschnurbluttransplantation zur Behandlung einer kindlichen Leukämie, diskutieren wir die Sicherheitsaspekte und die Machbarkeit einer solchen Behandlungsstrategie sowie auch einige Unsicherheiten in Bezug auf das Aufbewahren von körpereigenem Nabelschnurblut und dessen Anwendung.
Diese Nachricht ist deshalb so erwähnenswert, weil bisher das Dogma im Raum stand, dass eigenes Nabelschnurblut nicht für die Behandlung einer kindlichen Leukämie herangezogen werden könne. Nun wurde das Gegenteil bewiesen und erstmals wissenschaftlich dokumentiert, dass die genetischen Veränderungen, die für die Entwicklung bestimmter kindlicher Leukämien verantwortlich sind, nicht zwingend auch schon bei der Geburt vorhanden sein müssen.
PEDIATRICS Vol. 119 No. Jan 2007; 119: e296-e300. First report of Autologous Cord Blood Transplantation in the Treatment of a Child With Leukemia